Eintausend Mal...

Ein wunderschön restauriertes Gebäude, innen ein Theater, ein großes Foyer mit hohen Glasfenstern, die ruhige Atmosphäre zwei Stunden bevor die Vorstellung beginnt. Ein leises Geräusch hinter der Bühne, die Schauspieler bauen das Bühnenbild auf, das Licht, die Requisite, die Installationen. Einige Stimmen kommen aus dem Foyer. Die Vorbereitungen für den Abend haben begonnen, die Speisen und Getränke für die Gäste werden zubereitet. Die Atmosphäre im Theater ist sehr familiär. Die Schauspieler bereiten sich in einem kleinen, abgetrennten Raum vor. Dieser Raum wirkt fast intim. Es ist der Ort, den kein Zuschauer sehen kann. Die letze Erholung bevor die Bühne betreten wird. Ein Ort zum Sprechen und Trinken. Die Bühne ist das Gegenteil. Hier kann man sich nicht verstecken. Und gleichzeitig ist es der Ort, an dem man den Alltag zurücklässt. Die Aufführung heute Abend ist hier fast eintausend Mal gespielt worden: die Bremer Stadtmusikanten. Da gibt es kein Lampenfieber mehr. In diesem Theater spielen die Schauspieler mit Puppen, das macht das Schauspiel besonders. Es eröffnet eine zusätzliche Ebene der Interaktion, eine weitere Dimension für das Stück. Eine der Hauptfiguren, ein Esel, wartet noch unter der Bühne in der Requisite. In diesem Theater gibt es hunderte von Puppen, die darauf warten das Licht der Bühne zu erblicken. Aber tatsächlich warten sie auf die Schauspieler. Sie erwecken sie zum Leben, geben ihnen einen Charakter, erschaffen eine irgendwie magische Beziehung zwischen Menschen und der Puppe. Und an vielen Abenden auch eine mit dem Publikum.

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© Dirk Marwede 2019