Menschen in O-burg

-Der Antiquar-

Im Oktober 2018 gibt es für Sie ein Jubiläum, was hat es damit auf sich?

 

Ich bin Buchhändler und betreibe seit 35 Jahren ein Antiquariat. Ursprünglich habe ich mit einem Bekannten zusammen dieses Antiquariat gegründet, welches damals noch einen anderen Standort hatte. Seit 1991 ist das Antiquariat am selben Ort in einem alten Gebäude nahe der Innenstadt. 

 

Wie kamen Sie zu der Idee, ein Antiquariat zu gründen?

 

Es wäre vielleicht übertrieben zu sagen, dass ich immer eine besondere Beziehung zu Büchern hatte; ich habe gerne gelesen und habe mir dann vor langer Zeit überlegt, welche Bücher und Inhalte man zum Verkauf anbieten kann. Die Schwierigkeit bestand damals zunächst darin, sich überhaupt einen Überblick zu verschaffen, welche Bücher verfügbar waren und wer sich auch dafür interessiert. Ich habe mich dann auch gefragt, was mich selbst interessiert und hatte das Ziel ein möglichst breites aber auch qualitativ hochwertiges Angebot an Titeln zu haben.

 

Wie muss man sich den Prozess des Ankaufes von Büchern vorstellen?

 

Viele Bücher sind damals zunächst durch Haushaltauflösungen angekauft worden. Dabei konnte es sich um wenige aber auch sehr viele Bücher handeln, die dann aber auch nicht immer gleichermaßen interessant für den Verkauf waren. Grundsätzlich sind der Zustand, die Ausgabe und die Nachfrage nach Titeln die Kriterien für einen Ankauf und Verkauf. Damals habe ich Kataloge der großen Händler und Antiquariate studiert, um Informationen über Titel und deren Wert zu bekommen. Gleichzeitig habe ich die Interessen von Kunden dokumentiert. Letztendlich musste ich sicherstellen, dass das Sortiment den Interessen meiner Kunden entsprach und ausreichende Qualität im Bestand war.   

 

Wenn man sich von Büchern trennt, kann das ja verschiedene Gründe haben. Welche Erfahrungen haben Sie da gemacht?

 

Der Verkauf von Büchern ist oft etwas persönliches und es gibt viele Menschen für die dieser Schritt nicht einfach ist. Den Wert, den diese Bücher für die Besitzer haben, ist oft ein anderer, als der Preis für den man die Bücher ankauft oder dann auch verkaufen kann. Ich bin gegenüber den Verkäufern immer aufrichtig gewesen, in der Einschätzung, welchen Preis angebotene Bücher auf dem Markt haben. Belastende Situationen sind aber auch schon aufgetreten, wenn Menschen mir Bücher aus Not verkaufen wollten. Das schafft eine zusätzliche Ebene, bei der es schwierig ist, sich auf die reinen Gegebenheiten des Büchermarktes zurückzuziehen. 

Wie gehen Sie vor, wenn sie Bücher angekauft haben und gibt es dabei auch Unerwartetes?

 

Die Bücher werden inspiziert und wenn nötig vorsichtig gereinigt. Beim Ankauf größerer Sammlungen verschaffe ich mir einen Überblick, welche Titel einen besonderen Wert haben und welche Nachfrage es nach den Titeln gibt. Man findet bei der Inspektion oft unterschiedlichste Lesezeichen in den Büchern. Das kann ein persönlicher Brief sein, eine Postkarte, ein Lotterieschein oder auch irgendetwas anderes. Ich habe diese Fundstücke mal zusammengetragen und es ergab eine recht beeindruckende Sammlung an unterschiedlichsten Gegenständen.

 

Würden Sie sagen, dass der Wert von Büchern heutzutage grundsätzlich geringer ist?

Das würde ich so nicht sagen. Die Nachfrage insgesamt nimmt sicher ab und es gibt bestimmt auch weniger Sammler. Es ist umso wichtiger geworden eine Auswahl zu treffen und sich auf Qualität zu konzentrieren. Die Neupreise von Büchern sind ja weitgehend unverändert, die Preise für gebrauchte oder antiquarische Bücher unterliegen aber anderen Einflussfaktoren. Letztendlich hat aber eine gut erhaltene Ausgabe oder auch Erstausgabe immer noch seinen Wert und ist auch gut zu verkaufen. 

Das Antiquariat Buchstabei ist mit seinen zahlreichen Büchern und Regalen ein sehr schöner Ort. Es gibt sicher viele Geschichten und auch Überraschendes, was hier schon alles passiert ist?

 

Ich habe in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder Veranstaltungen wie Lesungen oder Feiern, wie zum Beispiel auch jetzt für das Jubiläum, organisiert. Einmal hat mich ein junger Mann gefragt, ob er seiner Freundin hier einen Heiratsantrag machen kann. Ich habe ihm dann einen Schlüssel für die Eingangstür gegeben. Er hat dann die Tür unverschlossen gelassen und kam eines Abends mit seiner Freundin am Geschäft vorbei und stellte fest, dass die Eingangstür ins Antiquariat nicht verschlossen war. Er überzeugte seine Freundin, die zunächst widerwillig war, zu später Stunde ins unverschlossene Antiquariat zu gehen und sich dort umzuschauen. Innen warteten versteckt einige Freunde und er machte ihr dann einen Heiratsantrag. 

 

Im Antiquariat habe ich kleine Dekorationen, Installationen, Zettel und vieles mehr entdeckt. Was hat es damit auf sich?

 

Ich wechsele die Dekorationen regelmäßig und passe sie aktuellen Themen oder Geschehnissen an. Vor dem Geschäft ist aktuell eine Baustelle, daher habe ich ein Schaufenster jetzt auch als Baustelle dekoriert. Es sind letztendlich die Details, die einen Ort besonders machen. Ich kann mich aber auch schwer von Dingen trennen, insbesondere wenn ich zu ihnen eine persönliche Beziehung habe. Da gibt es einiges an Material für Dekorationen. Allerdings stellen mir auch immer wieder Freunde und Kunden, Gegenstände für die Dekoration zur Verfügung. 

Mehr Infos unter:  http://www.buchstabei.de/

© Dirk Marwede 2019