unsagbar gerecht

 
 
 
 
 
 

Das Gejaule war übertrieben und begann noch in der Luft. Dann folgten mehrere Pirouetten in zusammengekauerter Haltung. Unverdauliche Trauben bildeten sich auf dem Spielfeld, in ihren Gesichtern Mitleid, Anteilnahme, Verständnislosigkeit. Aber auch Beschwichtigungen, Erklärungen, Versachlichungen wurden vernommen. Eine Schramme, maximal eine Fleischwunde, gebrochen konnte es nicht sein.

Ein begnadeter Spieler, immer einen Schritt schneller, technisch versiert, für einen Moment angehalten in der schmerzlichen Realität. Der Tritt war nicht bösartig gemeint. Im Gegenteil, eine Art Kontaktpflege zur Geschwindigkeitsreduktion und Gefahrenminimierung. Letztendlich eine Form von Respekt und Ausdruck von Bewunderung, eine aufrichtige Verehrung.

Der Gestoppte drehte sich im Gras, wie ein aus dem Wasser gezogener Fisch. Im Wechsel hielt er sich unterschiedliche Körperteile, als wollte er sich ihres Daseins versichern. Der Wettkampf war unterbrochen, Hilfe unterwegs. Der Ball ruhte als allwissender Zeuge im Gras neben ihm.

Eine kleine Rangelei begann. Der Übeltäter versuchte durch tänzelnde Schritte ihr zu entkommen. Eine größer werdende sich bewegende Masse schob über das Spielfeld ohne vorhersagbare Richtung. Neue Mittelpunkte des Geschehens entstanden und verlagerten sich, Rufe wurden lauter, von kurzen Pfiffen unterbrochen. Es wurde emotional und körperlich.

Gerechtigkeit ließ auf sich warten. Und dennoch, der Gefoulte würde sich erholen, der Verursacher bestraft, das Spiel fortgesetzt werden. Danach hätten sich alle beruhigt und anderes im Sinn. Die samstägliche Autowäsche, die Vorbereitungen eines Kindergeburtstages, die Sondertilgung fürs Eigenheim.

Der Schiedsrichter versuchte zwei Karten aus der Brusttasche zu ziehen. Sie verhakten sich im Stoff, konnten nicht befreit werden. Die Tasche war zu eng, die Karten zu groß, niemand sollte sie übersehen. Eine Farbe war heller und freundlicher, die andere leidenschaftlicher, fast wütend.

Beleidigende Zwischenrufe verstärkten die aufkommende Hysterie, längst angebrachte Entschuldigungen blieben aus. Der verkannte Bewunderer befand sich inzwischen abseits des Geschehens. Die Schuhe ausgezogen, an den Schnürsenkeln haltend, schlenderte er verloren zum Spielfeldrand. Der Schiedsrichter hatte sich farblich noch nicht entschieden. Eine Fahne wurde resignierend eingerollt. Das Zischen von Eisspray betäubte.